WalserwegRaggal - Ludescherberg
 Gemeinde Raggal

Größe: 41,7 km2         Seehöhe: 1015 m

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Rätoromanen waren die Erstbesiedler von Raggal, das belegen die vielen alten Flurnamen. Um 1300 gesellten sich die Walser dazu. Raggal und Sonntag bildeten bis 1806 das Untere Walsergericht. 1586 wurde Raggal eine eigene Pfarrei, bis dahin unterstanden die Bewohner der weit entfernten Pfarre St. Martin in Ludesch. Die zwei bekanntesten Walserheiligen sind die Kirchenpatrone von Raggal: St. Nikolaus und St. Theodul.

  

 Die Pest in Raggal

13 Die Pest in Raggal.gifDurch die Kreuzzüge wurden Pest, Cholera und Aussatz in unser Land verschleppt. Zwischen 1350 und 1650 sind in Vorarlberg 40 Pestjahre bekannt. Im Jahre 1613 wütete die Pest auch in Raggal. Die „Siechen“ (siech = krank) warteten in einem abgelegenen Haus auf ihren baldigen Tod. Die Pesttoten wurden nach damaligem Brauch nicht an geweihter Stätte (Friedhof) sondern wegen Ansteckungsgefahr weitab vom Ort in einem Massengrab beigesetzt. Der Pestfriedhof in Raggal soll sich auf dem „Todsboden“ unweit von hier befunden haben. Das anschließende Wäldchen nennt sich „Todswald“ und wird bereits 1459 urkundlich erwähnt.

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 Das "Alte Rössle"

An diesem einstigen Gasthaus führte der alte Walserweg vorbei. Fuhrleute gönnten sich und ihren Pferden nach dem steilen Anstieg aus dem Tal eine Rast. Nach dem Bau der Raggalerstraße 1925 verlegte der Besitzer sein Gasthaus ins Dorf.

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Gasthäuser standen früher meistens am Dorfanfang bzw. am Dorfende. Der Wirt besaß polizeiliche Kontrollbefugnisse. Übernachtende hatten sich auszuweisen. Verdächtige wurden festgenommen und im Dorfkotter bis zur Klarstellung an einen Stein gekettet. Die Abgabe von Alkohol war streng geregelt, ebenso die Sperrstunde. Tanzen war nur mit kirchlicher Erlaubnis gestattet.

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 Ludescherberg

Die Hänge dieser schönen Landschaft wurden im ersten Jahrtausend von rätoromanischen Bauern aus Ludesch als Bergmähder und allgemeine Atzung (= Nahrung) genutzt. Dieses Bergrecht erlaubte den Talbewohnern im Frühjahr und im Herbst uneingeschränkte Viehweide am Berg. Um 1300 wurde von Grundherren an verschiedene Walserfamilien das Ansiedlerrecht vergeben. Bald kam es wegen der Nutzungsrechte zu Auseinandersetzungen. Bis zur Beilegung des Streites um 1800 war das Zusammenleben der Bergler mit den Talbewohnern getrübt. Den Berglern war auch das Aufschlagen neuer Hofstätten verwehrt. So kam es bei Hofteilungen zur Errichtung von Doppelhäusern.

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Seit 1782 wurde am Ludescherberg bereits Schule gehalten. Unterrichtet wurde in verschiedenen Bauernstuben, längere Zeit im Doppelhaus „Neuahus“ mit den Nummern 2 und 3. Erst 1847 wurde ein kleines Schulhaus errichtet. 1964 wurde diese Kleinschule aufgelassen. Sie dient nach erfolgter Restaurierung als Vereinstreffpunkt und als Notwohnung.

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 Lawinenjahr 1689

 

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Am Lichtmesstag des Jahres 1689 begann es zu schneien und schneite drei Tage lang. Dann kam es zur Katastrophe. Im ganzen Walsertal donnerten Lawinen zu Tal. Besonders arg traf es Raggal. 15 Tote waren zu beklagen, unter ihnen Katharina Burtscher mit ihren 6 Kindern. 30 Stück Vieh kamen um. Fünf Häuser, mehrere Ställe und 24 Heubargen wurden zerstört.

Die Überlieferung berichtet:
An jenem Unglückstag wurde auch das Haus Nr. 78, „Auf der Wies“, zerstört. Die Helfer wollten gerade wieder unverrichteter Dinge abziehen, da soll aus dem verschütteten Stall ein Hahn gekräht haben. Die Männer kehrten um, suchten weiter und stießen bald auf eine Wiege, wo das Jüngste der Familie völlig unverletzt geborgen werden konnte. Zum Gedenken wurde dieses „Leukapeli“ errichtet.

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 St. Martin

Auf der Anhöhe zu Parx in Ludesch steht eine der ältesten Kirchen des Walgaus: St. Martin. Urkundlich bereits 830 erwähnt, birgt dieses Gotteshaus einmalige Kunstwerke: Chor mit gotischem Flügelaltar, ein Pestaltar aus dem Jahre 1635, Fresken um 1500 und ein Turm mit erhaltenem Karner (=Beinhaus). Altertümlich wirken innen Holzbalken auf der Frauenseite, die während des Gottesdienstes nur zum Knien einluden. Das schattseitige Walsertal war bis Buchboden nach St. Martin pfarrzugehörig. Die stundenlangen Wege zum Gottesdienst, bei Taufen, Hochzeiten, Versehgängen und Beerdigungen sind heute kaum mehr vorstellbar. Trotzdem erhielt Raggal erst nach zähen Verhandlungen 1586 eine eigene Pfarrei.

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