WalserwegFontanella - Faschina
 Gemeinde Fontanella

Größe: 31 km²         Seehöhe: 1.150 m

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Name: Fontanella = kleine Quelle
Fontanella wird 1393 erstmals als Alpe von Damüls urkundlich genannt. Weil niedriger gelegen, wurde aus Fontanella eine Dauersiedlung und bildete zusammen mit Damüls das Obere Walsergericht. 1688 kam der Sitz des Gerichtes nach Fontanella. Schon 1676 erhielt Fontanella eine eigene Pfarrei. Patron der Kirche ist St. Sebastian.

  

 In der Mühle Fontanella

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Hier stand die höchstgelegene Mühle des Tales. Das Haus diente zugleich als Gasthaus; hier führte zudem der alte Walserweg von Sonntag über Faschina nach Damüls vorbei. Das Mühlenrecht wurde von der Obrigkeit erteilt und war mit einer jährlichen Abgabe – genannt Wasserfallzins– verbunden. Diese Steuer wurde von der Herrschaft für soziale Zwecke verwendet. In Fontanella wurden Gerste, Hafer und Roggen angebaut. Nach einer Statistik aus dem Jahre 1769 pflanzten 65 von 78 Bauern in Fontanella auf einer Fläche von etwa 7 ha Getreide an.

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 Das Bad Fontanella

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Eine kleine Eisenquelle unweit von hier gab dem Ort den Namen „Fontanella“. Schon 1405 wird ein Badehaus urkundlich erwähnt. Später wurde das Bad durch den Bau einer Schmiede erweitert. Leider wurde das stattliche Haus 1956 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Der rätoromanische Flurname „Fontanella“ bedeutet „Brünnlein“.

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 Der Seewaldsee

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Der Seewaldsee liegt verträumt am Fuße der Blasenka, einem zerklüfteten gefährlichen Berg, dessen Kern westalpinen Flyschformationen zugerechnet wird. Das Berghaupt aber wird von einer allseitig abgleitenden ostalpinen Kalkdecke überlagert. Vor 10 000 Jahren endete die letzte Eiszeit, der mächtige Lutzgletscher erfüllte unser Tal, nur die höchsten Bergspitzen waren eisfrei. Beim Höchststand schob sich sogar der Lutzgletscher von Buchboden kommend in Richtung Damüls über das Faschinajoch. Dann begann der Gletscher zu schmelzen, die Eismassen gerieten in Bewegung. Beim Rückgang lagerten sich durch Stauung Seitenmoränen ab und bildeten so die Seewaldmulde. Der Seegrund ist lehmig, daher undurchlässig, der Zufluss ist sehr gering; der Wasserüberlauf verschwindet jedoch unterhalb einer kleinen Felsspalte.

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 Der Faschinaweg

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Ende des 14. Jahrhunderts besiedelten die Walser von Damüls her das Gebiet von Fontanella. Die Wegverhältnisse waren anfänglich günstig; nach der ab 1600 eintretenden Klimaverschlechterung wurden sie aber zu Winterszeiten schwieriger; zudem gehörte Fontanella kirchlich bis 1676 zu Damüls. 1806 wurde das Obere Walsergericht „Damüls / Fontanella“ durch die Bayern aufgehoben, es entstanden die Gemeinden Fontanella und Damüls. Nach dem Bau einer einfachen Straße von Au nach Damüls 1869 wurde Damüls nach eigenem Wunsch dem Bezirksgericht Bezau zugeordnet. Der Faschinaweg verlor seine Bedeutung. 1942 wurde die Straße von Fontanella nach Faschina gebaut und 1985 die Verbindung nach Damüls eröffnet. Der alte Säumerweg nach Faschina lässt die Mühsal unserer Vorfahren erahnen.

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 Die St. Anna Kapelle

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Um 1700 ließ Dr. Josef Hartmann auf dem Faschinajoch die St. Anna Kapelle erbauen. Eine Madonna mit Kind, der Walserpatron St. Nikolaus und St. Andreas zieren das Altärchen im Spät-Renaissance-Stil.

Der Stifter Dr. Josef Hartmann (1662 – 1732):
Er war ein bedeutender Walser. Geboren in Fontanella, studierte er bei den Jesuiten in Feldkirch und erwarb sich das Doktorat beider Rechte. Er übersiedelte nach Wien und schlug die politische Laufbahn ein. Vom Gerichtsschreiber arbeitete er sich zum Richter und Stadtrat empor. Schließlich amtierte er von 1717 bis 1720 bzw. von 1725 bis 1727 als Bürgermeister der Stadt Wien. Nach der Überlieferung verirrte sich Josef Hartmann auf dem Faschinajoch einmal im Nebel derart, dass er in seiner Not den Bau einer Kapelle gelobte. Der Nebel sei – wie durch ein Wunder – sofort abgezogen.

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 Auf dem Faschinajoch

Seehöhe 1492 m

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Im Namen „Faschina“ dürfte sich das rätoromanische Wort „oficina“ (= Werkstätte) verstecken, was auf einen Ort hinweist, wo die Säumer ihre Pferde mit neuen Hufeisen versahen. Das Joch wurde schon vor der Walsereinwanderung regelmäßig überquert. Über die morastige Passhöhe legten die Walser einen Knüppeldamm. Beim Straßenbau wurde eine starke Torfschicht ausgehoben und als Brennmaterial verwendet. Fontanella und Damüls bildeten ein gemeinsames Gericht, daher wurde die Verbindung ganzjährig offengehalten. Schon um 1700 soll das Gasthaus Rössle Durchreisenden Obdach geboten haben. Der mutige Pionier Rudolf Sperger erbaute 1932 auf dem Joch das erste Hotel des Tales. 1942 erbauten Kriegsgefangene die Straße von Fontanella nach Faschina, und 1950 wurde während der Sommerzeit der Postautoverkehr eingerichtet. 1960 entstand der Sessellift aufs „Guggernülli“ und 1985 die Straßenverbindung Faschina-Damüls.

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 Die Zehentgrenze

Der Zehent ( = der zehnte Teil) war eine jährliche Grundsteuer in Form von Korn, Schmalz, Käse und Kälbern. Später wurde dieser Hofzins ausschließlich in Geldform eingehoben.

Die Bewohner des Inneren Walsertales waren unterschiedlichen Herrschaften zugehörig:
Damüls und Fontanella zur Herrschaft Feldkirch, Sonntag und Raggal zur Herrschaft Blumenegg. Ab 1562 wurde das besagte Gebiet aus praktischen Gründen von den Herrschaften zwar gemeinsam bejagt, für die Untertanen hatte die festgelegte Grenze jedoch weiterhin Gültigkeit, daher der Name „Zehentgrenze“.

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 Das Schulwesen im Tal

 

 

Das Schulwesen im Tal

Bedingt durch ihre Freiheit, war den Walsern auch die Verwaltung des Schulwesens überantwortet. Einige Schulen im Großen Walsertal entstanden schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Lehrer waren talentierte Bauern. Unter Aufsicht der Pfarrherren unterrichteten sie Rechnen, Schreiben und Lesen. Religion als Hauptfach wurde von den Priestern selbst wahrgenommen. Man nannte diese Form auch Pfarrschulen.

Kaiserin Maria Theresia führte 1774 die allgemeine sechsjährige Schulpflicht ein. Jugendliche hatten außerdem bis zum 18. Lebensjahr die Sonntagsschule und die Christenlehre zu besuchen. Dieser Schultyp hieß Trivialschule.

Plan einer Kleinstschule, gezeichnet vom bekannten Suezkanalerbauer Negrelli im Jahre 1833

 

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 Die vier Walsergerichte

Nach der Einwanderung der Walser im 14. Jahrhundert bildeten sich vier Walsergerichte:
Das Obere Gericht in Damüls – Fontanella
Das Untere Gericht in Sonntag – Raggal
Das Gericht am Tannberg für Lech, Warth, Schröcken, Mittelberg
1563 eigenes Gericht Mittelberg für das Kleinwalsertal

Der „Ammann“ (= Amtmann und Richter) wurde vom Volk in der Regel auf sieben Jahre gewählt, er war Mittelsmann zur jeweiligen Herrschaft. Einmal jährlich versammelte sich die Gemeinde zur Verlesung des Landbrauches (=Gesetze). Der Ammann sorgte für Recht und Einhaltung der Gesetze, kümmerte sich um Arme und Waisen, genehmigte Kaufverträge und hob den jährlichen Lehenszins ein. Ihm zur Seite standen die „Beischöffen“ als Berater bei Verhandlungen, der „Gerichtsschreiber“ als Protokollführer und der „Waibel“, der die notwendigen polizeilichen Handlungen durchführte. 1806 hoben die Bayern diese kleinen Gerichte auf und schufen neue Gerichtsbezirke.

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